Transkript anzeigen Abspielen Pausieren
Mehrere Personen stehen und sitzen in lockerer Gruppe auf einer Treppe und vor einer Wand.

LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte

Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte betreibt moderne Regionalgeschichtsforschung mit dem Schwerpunkt auf der Neueren Geschichte und Zeitgeschichte. Mit dieser Ausrichtung ist das Institut eine Besonderheit: Es ist die einzige wissenschaftliche Einrichtung, die sich in kommunaler Trägerschaft der Erforschung des 19., 20. und 21. Jahrhunderts widmet. Die Historiker:innen untersuchen die Sozial-, Politik-, Wirtschafts-, Geschlechter- und Kulturgeschichte Westfalens und Lippes, blicken dabei aber auch über die Grenzen NRWs hinaus.

Historische Perspektiven für die Gegenwart

Das Institut versteht seine Arbeit als Beitrag zur Orientierung in der Gegenwart. Regionalgeschichte ist mehr als bloße Rückschau: Sie eröffnet historische Tiefenschärfe für gegenwärtige Herausforderungen und zeigt, dass die Geschichte Westfalen-Lippes immer auch eine Geschichte von Verantwortung, Wandel und Aushandlung ist. In Zeiten multipler Krisen helfen historische Perspektiven, Haltung zu bewahren. Zwischen 2021 und 2025 prägten deshalb Projekte, Ausstellungen und Publikationen die wissenschaftliche Arbeit, die regionale Geschichte konsequent als Resonanzraum aktueller Fragen begreifen.

Forschung, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Verantwortung

Dies schließt auch die eigene Geschichte mit ein: Die historische Verantwortung des LWL wurde in mehreren Forschungen zur Fürsorge- und Institutionengeschichte untersucht. Die Wanderausstellung „Queer Münster – eine andere Geschichte der Stadt" stieß auf große Resonanz und wurde bislang mehr als 17-mal ausgeliehen. Großes Interesse weckten auch die Forschungen zur Ermordung von 208 Zwangsarbeiter:innen und Kindern bei Meschede: Nach den Grabungen 2018/19 wurden die Ergebnisse zu den NS-Verbrechen wissenschaftlich aufgearbeitet und 2025 in Buchform veröffentlicht. Im Projekt „Postkolonial vor Ort" erforschten Historiker:innen gemeinsam mit Jugendlichen koloniale Spuren in westfälischen Städten.

Tagungen und Workshops

Mehr als 30 Tagungen und Workshops – häufig in Kooperation mit anderen Einrichtungen – richteten sich teils an die historische Fachwelt, teils an eine breite Öffentlichkeit. Allein 2025 hielten die Mitarbeiter:innen über 15 Vorträge anlässlich des 80. Jahrestages zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Zahlreiche Publikationen, Medieninterviews und Beiratstätigkeiten zeugen von der engen Vernetzung des Instituts innerhalb des Fachs und tragen regionale Geschichte in den öffentlichen Diskurs. Drittmittel- und Kooperationsprojekte wie die Entwicklung der Gedenkstätte Stalag 326 oder die Erforschung der Geschichte Güterslohs nach 1945 werden dabei fachlich begleitet und aktiv mitgestaltet.

Geschichte für morgen

Aktuell wird für die zahlreichen Publikationen des Instituts eine Open Access-Strategie erarbeitet. Weiterhin bereichern Drittmittelprojekte wie die zukünftige Erschließung der Hohensyburg die Arbeit des Instituts. Zugleich werden digitale Vermittlungsformen und partizipative Ansätze weiter ausgebaut. Der geplante Launch der digitalen NS-Topographie ist dabei ein zentraler Baustein.

Hier geht es zum Podcast „Regionalgeschichte auf die Ohren“

Veranstaltungen

2021

  • Vortragsreihe: Seuchen zwischen Rhein und Weser: Geschichte der unsichtbaren Gefahr in Nordrhein-Westfalen (digital)
  • Online-Workshop: Re/Präsentation: Visuelle Überlieferung sowjetischer Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit
  • Online-Tagung: Parteipolitik oder Neue Soziale Bewegung? Zur Durchsetzung geschlechterdemokratischer Ansprüche im 20. Jahrhundert
  • Autor:innenworkshop: Varianten des Wandels. Neue Perspektiven auf die Region in der jüngsten Zeitgeschichte 1970–2020 (digital)

2022

  • Fachtagung: Kleine Tore, große Sprünge? Der Handballsport in Rheinland und Westfalen 1917-2022, Bonn
  • Ausstellung: Queer Münster. Eine andere Geschichte der Stadt, Münster
  • Workshop: Jenseits der Metropolen. Stadtgeschichte(n) von Mittelstädten und (kleineren) Großstädten 1945 bis heute, Münster
  • Tagung: Kurorte in der Region. Gesellschaftliche Praxis, kulturelle Repräsentationen und Gesundheitskonzepte vom 18. bis 21. Jahrhundert, Bad Nenndorf
  • Vortragsreihe: „Geschichte und Erinnerung“ sichtbar machen, begleitend zur Wanderausstellung des Bundesarchivs, Münster

2023

Eine Seite in einem Notizbuch mit der Überschrift '"Autor:innen-Workshop "Stadtgeschichte Gütersloh"', im Hintergrund ein Seminarraum mit Menschen

  • Symposium: Den Frieden gewinnen von 1648 bis heute – Historische Perspektiven auf den Westfälischen Frieden und unsere Gegenwart, Münster
  • Tagung: Eine periphere Region im Wandel. Städte und ländliche Räume in Ostwestfalen-Lippe seit 1945, Paderborn
  • Ausstellung: Dimensionen eines Verbrechens. Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg, Münster
  • Tagung: Zwangsarbeit im Dunkeln. Konzentrationslager, Untertageverlagerung und Gedenkstättenpraxis in Porta Westfalica, Minden

2024

Sieben Personen stehen an drei hohen Tischen auf einer Bühne vor einer Leinwand mit der Projektion 'Tagung Zukunft der Psychiatriegeschichte im LWL'.

  • Vortrag: Regionalgeschichte kompakt – Mauerfall und Friedensdividende (Buchvorstellung), LWL-Haus der Geschichte, Münster
  • Podiumsdiskussion: Aufbruch in die 1970er Jahre. Demokratie, Krise und Reform in Westfalen, Münster
  • Tagung: Das Lager in der digitalen Fläche, Bielefeld
  • Tagung: Disability History. Neue Perspektiven und interdisziplinäre Ansätze, Münster
  • Ausstellung mit Begleitprogramm: gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945, Münster
  • Tagung: Wissenschaftliche Aufarbeitung von Kinderverschickung in NRW – eine Zwischenbilanz, Münster
  • Tagung: Zukunft der Psychiatriegeschichte im LWL, Münster
  • Workshop: Frauenleben in europäischen Demokratien des 20. Jahrhunderts, Münster
  • Tagung: Gedenkstättenkulturen. Die Gedenkstätte Stalag 326 zwischen Herkunft und Zukunft, Münster
  • Workshop: Die Wende dezentralisieren. Transformationsgeschichte(n) aus regionaler Perspektive, Münster
  • Postkolonial vor Ort, Westfalen
  • Internationale Tagung: „In between violence, sexualization and intimacy“. Genderperspektiven auf Nationalsozialismus und Holocaust, Münster

2025

  • Buchvorstellung & Diskussion: „Gefährdete Demokratie. Rechtskatholizismus in der Weimarer Republik“, Münster
  • Tagung: Frauenpolitik im geteilten Deutschland 1975, Kassel
  • Ausstellung: Die ‚brutale Realität‘ sichtbar machen. Psychiatriekritische Fotografien aus den 68er-Jahren, im Rahmen des Wissenschaftsfestivals SchlauRaum, Münster
  • Workshop: Stadtgeschichte in a nutshell: Zum Spannungsverhältnis von Wissenschaftlichkeit und populären Vermittlungsformaten, Münster
  • Kriegsende 1945 an Rhein und Ruhr, in Kooperation mit dem LVR-Institut für Landeskunde, Bonn
  • Veranstaltungsreihe: 80 Jahre Kriegsende, in Kooperation mit dem LWLMedienzentrum für Westfalen und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, NRW
  • Tagung: Helfen, Selektieren, Fördern, Inkludieren – transdisziplinäre, regional- und wissensgeschichtliche Perspektiven auf Behinderung und Teilhabe im Schul- und Bildungssystem in Kooperation mit der Europa-Universität Flensburg, Flensburg
  • Wissenschaftliche Jahrestagung des Brauweiler Kreises e. V., Münster
  • Tagung: Neuordnung als Chance? Kommunale Gebietsreform in Rheinland und Westfalen, Duisburg

Publikationen

2021

  • Michael Hecht (Hrsg.): Hunger, Nahrungsmangel und Protest in regionaler Perspektive. Münster: Aschendorff Verlag.
  • Horst Conrad: Der lange Abschied von der Macht. Adel in Westfalen 1800–1970. Münster: Ardey-Verlag.
  • Malte Thießen: Auf Abstand. Eine Gesellschaftsgeschichte der Corona-Pandemie. Frankfurt am Main: Campus Verlag.
  • Philipp Osten; Malte Thießen: Aus Seuchen lernen? Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

2022

  • Anette Schlimm (Hrsg.): Regieren in der Region. Staatlichkeit und Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert. Münster: Aschendorff Verlag.
  • David Merschjohann: „Umgekrempelt“. Die kommunale Gebietsreform in Ostwestfalen-Lippe (1966–1975). Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh.
  • Wilfried Rudloff; Franz-Werner Kersting; Marc von Miquel; Malte Thießen (Hrsg.): Ende der Anstalten? Großeinrichtungen, Debatten und Deinstitutionalisierung seit den 1970er Jahren. Paderborn: Brill Schöningh.
  • Malte Thießen; Andrea Wiegeshoff: Seuchengeschichte in Wissenschaft und Unterricht. Neue Erkundungen auf einem alten Forschungsfeld. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 73 (2022), H. 7/8.

2023

  • Philipp Erdmann; Sabine Mecking (Hrsg.): Das lange 1933. Nationalsozialistische Machtdurchsetzung in regional vergleichender Perspektive. Münster: Aschendorff Verlag
  • Matthias Frese; Thomas Küster; Malte Thießen (Hrsg.): Varianten des Wandels. Die Region in der jüngsten Zeitgeschichte 1970–2020. Paderborn: Brill Schöningh.
  • Claudia Kemper: Männlicher Krieg und weiblicher Frieden? Geschlechterordnung von Gewalterfahrungen. Ditzingen: Reclam.

2024

  • Thomas Küster (Hrsg.): Gescheiterte Projekte. Niederlagen, Fehlschläge und Blockaden im 19. und 20. Jahrhundert. Münster: Aschendorff Verlag.
  • Olaf Blaschke; Guido Hitze; Manfred Körber; Markus Köster; Georg Mölich; Julia Paulus (Hrsg.): Gefährdete Demokratie. Rechtskatholizismus in der Weimarer Republik. Paderborn: Brill Schöningh.
  • Thomas Küster: Mauerfall und Friedensdividende. Westfalen nach 1989. Münster: Ardey-Verlag.
  • Lu Seegers; Matthias Frese; Malte Thießen (Hrsg.): Kurorte in der Region. Gesellschaftliche Praxis, kulturelle Repräsentationen und Gesundheitskonzepte vom 18. bis 21. Jahrhundert. Göttingen: Wallstein Verlag.

2025

Eine Gruppe von Menschen vor einem Bücherregal, zwei Personen halten Bücher in die Kamera.

  • Marcus Weidner: Die Toten von Meschede. Ein Kriegsendphaseverbrechen im März 1945: Rekonstruktion, Strafverfolgung, Erinnerungskultur. Paderborn: Brill Schöningh.
  • Julia Paulus (Hrsg.): Geschlechterdemokratie durchsetzen – Feministische Impulse in Parteipolitik und Neuen Sozialen Bewegungen. Bielefeld: transcript.
  • Christoph Lorke (Hrsg.): Gütersloh – Geschichte einer Stadt (1945–2025). Münster: Verlag für Regionalgeschichte.

Projekte

Laufend

  • Westfalen.70-20: Ein Forschungsschwerpunkt zur Regional- als jüngere Zeitgeschichte
  • Edition der Stimmungs- und Lageberichte der Gestapo in Westfalen-Lippe
  • Der Westfälische Heimatbund im 20. und 21. Jahrhundert: Heimatmachen im gesellschaftlichen Wandel zwischen 1915 und 2025
  • Gefahrenabwehr und Daseinsvorsorge lernen: Eine Geschichte des Instituts der Feuerwehr NRW
  • Corona: Eine Problemgeschichte unserer Gegenwart
  • Geschichte der LWL-Blinden- und Gehörloseneinrichtungen im 20. Jahrhundert
  • Geschichte des modernen Tourismus in Westfalen
  • Gütersloh im 20. und 21. Jahrhundert: Verwandlungen einer Stadt von 1945 bis 2025
  • Heimkinder und Heimerziehung in Westfalen
  • Kooperation und Konflikt: Arbeit und Interessenvertretung
  • Kriegsendphaseverbrechen an Zwangsarbeitern im Sauerland 1945
  • (Nach-)Kriegsgesellschaften in Westfalen 1938–1948
  • Kulturpolitik des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe
  • NS-Topografie für Westfalen und Lippe

Informationen:

Adresse: Karlstraße 33, 48147 Münster
Tel.: 0251 591- 5684
E-Mail: regionalgeschichte@lwl.org
Webseite: www.lwl-regionalgeschichte.de
Leitung: Prof. Dr. Malte Thießen

Social Media:

  • Instagram: 555 Follower:innen (Stand: 15.07.2026)
  • BlueSky: 1.153 Follower:innen (Stand: 15.07.2026)
  • Youtube: 200 Views (Stand: 15.09.2025)
  • Spotify: 228 Follower:innen (Stand: 15.09.2025)